02.09.2010 18:58 Uhr
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Linux ist mittlerweile von einem kleinen, unscheinbaren Betriebssystem, was oftmals als Studentenspielzeug bezeichnet wurde, zu einem professionellen System gewachsen, welches kommerziellen Betriebssystemen sehr leicht das Wasser reichen kann.

Bekannte Firmen wie Sixt, Cisco Systems Inc., Corel, Software AG und viele andere setzen heute erfolgreich Linux ein.

Linux in Firmen

Im Vergleich zu kommerziellen Systemen wie beispielsweise Windows NT, ist Linux größtenteils kostenlos. Es stehen hier also ca. 90 DM gegenüber ca 2.000 DM bei Windows NT. Gibt es also noch irgendeinen Grund dafür, Windows NT gegenüber Linux zu bevorzugen?

Einige der Hauptgründe, die von IT Beratern immer wieder herangezogen werden, ist das angebliche Fehlen von kommerziellem Support, dem immer noch vorherrschenden Hacker- und Bastlerstatus (Gerne wird hier der altbewährte Spruch "Never change a running system" zu "Never run a changing system" umgedreht), die durch den offenen Quellcode entstehenden Sicherheitsrisiken und last but not least das Fehlen von kommerziellen Applikationen herangezogen.

Mittlerweile können eigentlich alle Punkte mit ruhigem Gewissen widerlegt werden.

Kommerzieller Support

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Firmen, die Linux-bezogene Dienstleistungen anbieten. Von der Installation, über Schulungen, bis hin zur kompletten Systemadministration ist eigentlich alles abgedeckt. Firmen wie Red Hat, SuSE, und viele mehr bieten neben bundesweiten Schulungsreihen Distributionen mit Business Support Lösungen.

Weiterhin gibt es unzählige Supportmöglichkeiten im Internet. In IRC-Kanälen wie #LinuxGer und #Linux.de, bzw. in unzahligen USENET Newsgroups, Mailinglisten und WWW Servern bieten hochqualifizierte Antworten und in vielen Fällen sofortige Problemlösungen zu den meisten Fragen, und zwar ohne teuren Supportvertrag, der bei den meisten kommerziellen Betriebssystemen notwendig wird.

Hacker- und Bastlerstatus

Es stimmt: Linux entwickelt sich schnell. Bei der Masse an Entwicklern, die am Linux-Projekt beteiligt sind, ist das Interval bei Neuerscheinungen relativ kurz. Aber: man ist keinesfalls gezwungen, jeden kleinen Schritt mitzumachen. Innerhalb der Kernelentwicklung gibt es zwei verschiedene Hauptlinien, den stabilen und den Entwicklerkernel.

Beim stabilen Systemkern bestehen die eventuellen Änderungen hauptsächlich aus dem Eliminieren von Sicherheitslöchern oder anderen Fehlern. Neue Funktionalitäten, Treiber und grundlegende Veränderungen werden ausschließlich im Entwicklerkernel durchgeführt. Dieser durchläuft eine langwierige und intensive Testphase ("kernel freeze"), bis er zum nächsten stabilen Kernel wird. Dem Benutzer steht also frei, ob er ein stabiles System verwenden oder die neuesten Funktionen und Treiber ausreizen will.

Linux und Systemsicherheit

Aufgrund der offenen Entwicklungsstruktur kann man Linux als eines der sichersten und auch stabilsten Betriebssysteme bezeichnen. Fehler und Systemlücken können dadurch von jedem, der Einblick in den Quellcode hat (also jedem!) erkannt, analysiert und auch behoben werden. Wer die Security-Mailinglisten verfolgt, stellt schnell fest, daß zu einem festgestellten Fehler zumeist innerhalb von Stunden eine Fehlerlösung und ein Patch zur entsprechenden Lücke bekanntgegeben werden.

Kommerzielle Betriebssysteme wie Windows NT, Solaris oder HP-UX stehen in der Anzahl der bekanntgegebenen Sicherheitslücken in nichts nach. Der Benutzer muß hier jedoch auf die vom Hersteller herausgegebenen Patches warten, und muß zudem noch sehr oft einen teuren Supportvertrag abschließen, damit er diese überhaupt beziehen kann.

Kommerzielle Software

Viele kommerzielle Unternehmen sehen in Linux-Produkten einfach noch keinen Markt bzw. haben kein Interesse daran, für ein freies Beriebssystem Produkte herauszugeben. Hier ist noch einiges an Überzeugungsarbeit gegenüber den Herstellern zu leisten, obwohl Linux oftmals schon erfolgreich in ebendiesen Unternehmen eingesetzt wird, und sei es nur als Web Server. So bieten viele Firmen schon ihre Produkte für Linux an, bzw. haben erfolgreiche Testläufe hinter sich, bieten jedoch keinen kommerziellen Support für ihr Produkt auf Linux an. So entscheiden sich viele Kunden für den Einsatz von Windows NT anstatt für Linux, obwohl letzteres geringere Kosten, eine höhere Betriebsstabilität und Flexibilität gebracht hätte.

Oftmals, vielleicht sogar bei den meisten Anforderungen, kann man dieses Manko jedoch auch durch freie Software vollkommen ausmerzen. So bieten Datenbank-systeme wie MySQL in Verbindung mit PHP und dem weltweit erfolgreichsten Web Server Apache eine Flexibilitat und Leistungsfähigkeit, die seinesgleichen sucht. Im Vergleich zu Windows NT und Active Server Pages haben Entwickler bei letzterem System schon des öfteren graue Haare bekommen und sich die Nächte um die Ohren geschlagen.

Auch im Desktop Einsatz bietet Linux vielfältige Möglichkeiten. Es gibt zwar kein Microsoft Office für Linux (und es wird wohl auch nie verfügbar sein), aber dafür andere Alternativen. Durch Star Office und ApplixWare stehen dem Linux Anwender leistungsfähige Office Suiten zur Verfügung, die auch dem System von Bill Gates Sekretärin das Wasser reichen können. Freie Desktop-entwicklungen wie KDE (K Desktop Environment) tun ihr übriges, um Linux als Desktopsystem attraktiv zu machen. So arbeiten mittlerweile sogar Anwaltskanzleien mit Linux sowohl als Server- als auch als Desktopsystem.

Es sind also schon einige Firmen auf dem Linux Markt vertreten, und es werden stetig mehr.

Firmen wie Corel, Oracle, Sybase, Informix und Netscape haben offiziell Produkte und Support für Linux angekündigt, viele weitere folgen. Es gehen sogar Gerüchte um, dass Microsoft intern einige seiner Produkte auf Linux testet. Ob eine Linux Version von Microsoft Office doch nicht ausgeschlossen ist? Das wird die Zeit zeigen.

Linux, der Nachfolger von Windows NT?

Linux hat seid seiner "Geburt" 1991 einen fast kometenhaften Aufstieg erleben können. Es scheint, daß Linus Torvalds sein Ziel "World Domination, fast" doch noch erleben könnte. Wird Linux den Markt von Microsoft Windows NT übernehmen können? Wohl kaum. Bei einer momentanen Benutzerzahl von 5 gegenüber weit über 200 Millionen wäre es doch etwas überheblich so etwas zu behaupten. Als Fernziel ist ein solcher Marktanteil jedoch durchaus im Bereich des möglichen. Firmen wie SUN und IBM gehen mittlerweile dazu über, Linux zumindest als alternatives Betriebssystem anzubieten. Apple, Digital, SUN und unzählige Hardware-Hersteller sind mittlerweile aktiv an der Linux-Entwicklung bzw. Portierung beteiligt und beschäftigen sogar dediziert abgestellte Mitarbeiter.

Wenn man vergleicht, welchen Benutzerstamm Microsoft in den ersten sieben Jahren entwickelt hat (1981 wurde MS-DOS vorgestellt) und wie Linux momentan vom Weltmarkt akzeptiert wird, kann man nur gespannt sein. Die notwendigen Vorraussetzungen wie qualitativ hochwertiger Support, ein einheitliches und leistungsfähiges Desktop System, sowie kommerzielle Produkte, die den Markt abdecken, sind in vollem Gange oder schon verfügbar.

Im internationalen Vergleich liegt Linux mittlerweile mit 14 % auf Platz 4 der Beliebtheitsskala für UNIX Systeme, hinter HP-UX, AIX und SunOS/Solaris.

Es wird sich zeigen, ob sich die Revolution im Softwarebereich, ausgelöst durch freie Entwicklungen und letztendlich auch das Internet sich in den nächsten Jahren weiter ausweiten und gegen die Marketingmaschinen der großen Riesen ankämpfen kann.